In welcher Reihenfolge sanieren? Der teuerste Fehler zuerst
Seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz muss niemand mehr die Heizung tauschen. Die Förderung schrumpft trotzdem – und wer deshalb die Heizung vorzieht, kauft sie in aller Regel zu groß. Der Fehler kostet zweimal: beim Kauf und danach jeden Winter.
Das Wichtigste in Kürze
- Erst dämmen, dann die Heizung tauschen: Wer es umgekehrt macht, kauft die Heizung zu groß.
- Nach vollständiger Dämmung braucht ein ungedämmtes Haus aus den sechziger oder siebziger Jahren oft 30 bis 50 % weniger Heizleistung.
- Die neue Heizung darf schon für das gedämmte Haus bemessen werden, wenn die Dämmung verbindlich geplant ist – die Grundlage dafür ist der Sanierungsfahrplan.
- Die Förderung für den Heizungstausch wird ab Februar 2027 schrittweise kleiner.
Quellen: BAFA: Energieberatung für Wohngebäude · KfW: Heizungsförderung für Privatpersonen (Programm 458) · Stand der Angaben: 28.09.2026
Der Fehler, den wir am häufigsten sehen
Wenn Sie zuerst die Heizung tauschen und danach dämmen, zahlen Sie für eine zu große Wärmepumpe.
Ein Haus aus den siebziger Jahren, ungedämmt, alter Gaskessel. Der Eigentümer entscheidet sich für eine Wärmepumpe. Der Heizungsbauer bemisst sie am tatsächlichen Wärmebedarf des Hauses – also am ungedämmten Zustand. Zwei Jahre später wird das Dach gedämmt, die Fenster kommen neu. Der Wärmebedarf sinkt um ein Drittel. Die Wärmepumpe bleibt so groß, wie sie gekauft wurde.
Die Heizlast ist die Wärme, die ein Haus am kältesten Tag des Jahres braucht, um warm zu bleiben. Nach ihr richtet sich, wie groß die Heizung sein muss. Sinkt sie nach dem Einbau, war die Anlage von Anfang an zu groß – und eine zu große Wärmepumpe ist nicht nur teurer in der Anschaffung. Sie schaltet ständig ein und aus, arbeitet dadurch weniger sparsam und verbraucht über ihre Lebensdauer spürbar mehr Strom.
Jahresarbeitszahl, kurz JAZ
Sie sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme eine Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom macht. Eine JAZ von 3,5 heißt: aus einer bezahlten Kilowattstunde werden dreieinhalb geheizte. Jede Zehntelstelle wirkt sich direkt auf Ihre Stromrechnung aus – zwanzig Jahre lang.
Warum jetzt trotzdem alle über die Heizung reden
Sie müssen Ihre alte Heizung nicht mehr wegen einer gesetzlichen Frist tauschen – beim Zuschuss läuft die Zeit trotzdem.
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz und hat das Gebäudeenergiegesetz abgelöst. Zwei Vorgaben sind ersatzlos entfallen: die Pflicht, 30 Jahre alte Öl- und Gaskessel auszutauschen, und die einheitliche Vorgabe von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie bei jeder neuen Heizung.
Der gesetzliche Zeitdruck ist damit weg. Der wirtschaftliche ist es nicht. Der Zuschlag für den frühen Heizungstausch in der Heizungsförderung sinkt erstmals zum 1. Februar 2027 und danach alle sechs Monate. Wer den Tausch aufschiebt, bekommt Jahr für Jahr weniger. Das ist die eigentliche Zwickmühle, in der viele Eigentümer gerade stecken: Die Förderung spricht dafür, zuerst die Heizung zu tauschen – die Technik dafür, zuerst zu dämmen.
Wie man die Zwickmühle auflöst
Sie können die Heizung zuerst tauschen, ohne eine zu große zu kaufen – wenn sie für den Zustand nach der Dämmung geplant wird.
Nicht, indem man rät. Sondern indem man berechnet, wie viel Wärme das Haus nach der Dämmung braucht – nicht, wie viel es heute braucht. Das ist erlaubt, üblich und der ganze Sinn eines Sanierungsfahrplans: Wenn feststeht, dass Dach und Fassade in den nächsten drei Jahren gedämmt werden, kann die Wärmepumpe schon heute für das gedämmte Haus bemessen werden.
Dafür braucht es allerdings einen festen Plan, keine bloße Absicht. Genau das leistet der Fahrplan: Er legt Maßnahmen, Reihenfolge und Zeitrahmen verbindlich fest und liefert dem Heizungsbauer die Zahlen, mit denen er rechnen kann. Ohne diese Grundlage bleibt ihm nichts übrig, als mit dem Haus zu rechnen, wie es heute ist – also ungedämmt.
Die Reihenfolge, die fast immer stimmt
Für die meisten Häuser – wahrscheinlich auch für Ihres – passt diese Reihenfolge.
Das Haus aufnehmen
Erst wissen, wo die Wärme verloren geht. Bei den meisten Häusern vor 1979 sind es Dach und oberste Geschossdecke, nicht die Fenster, über die am meisten geredet wird.
Vorhandene Heizung verbessern
Heizkörper genau einstellen, sparsame Pumpe einbauen, Heizwasser weniger heiß fahren. Kostet wenig, wirkt sofort, und das BAFA zahlt einen Zuschuss.
Dach, Wände und Keller dämmen
In der Reihenfolge, die der Fahrplan vorgibt – meist von oben nach unten. Hier liegt der größte Teil der Einsparung.
Heizung tauschen
Jetzt steht fest, wie wenig Wärme das Haus noch braucht. Die Heizung wird kleiner und günstiger und kommt mit weniger heißem Heizwasser aus – genau dann arbeitet eine Wärmepumpe sparsam.
Wann man von dieser Reihenfolge abweicht
Trifft einer dieser Fälle auf Sie zu, dürfen Sie die Reihenfolge umdrehen.
Es gibt gute Gründe, sie umzudrehen, und wir nennen sie offen:
- Die Heizung ist defekt. Wer im November ohne Wärme dasteht, saniert nicht zuerst das Dach. Dann wird die neue Heizung für das Haus bemessen, wie es nach der Dämmung sein wird – und die Dämmung muss anschließend wirklich kommen.
- Das Gerüst steht ohnehin. Wenn die Fassade aus anderen Gründen eingerüstet wird, ist der Zeitpunkt für die Dämmung da, unabhängig vom Fahrplan.
- Das Dach wird neu gedeckt. Dämmung und neue Ziegel in einem Arbeitsgang sind erheblich günstiger als zwei getrennte Baustellen.
- Der Zuschlag für den frühen Heizungstausch sinkt bald. Wenn die nächste Kürzung ansteht und Sie dadurch mehr verlieren würden, als die etwas zu große Heizung kostet, kann sich der vorgezogene Tausch rechnen. Das lässt sich ausrechnen – und zwar bevor Sie unterschreiben.
Was ab 2029 kommt
Sie denken über eine neue Öl- oder Gasheizung nach? Dann sollten Sie wissen, was ab 2029 auf Sie zukommt.
Die 65-Prozent-Pflicht ist entfallen, aber der Gesetzgeber hat sie durch etwas anderes ersetzt. Ab dem 1. Januar 2029 muss Öl und Gas ein Anteil klimaneutraler Brennstoffe beigemischt sein, der stufenweise steigt – von 10 Prozent über 15 und 30 auf 60 Prozent bis 2040. Ab 2030 kommt eine Solarpflicht hinzu.
Für Sie heißt das: Eine Öl- oder Gasheizung, die Sie heute einbauen, wird im Betrieb Schritt für Schritt teurer – auch ohne Pflicht zum Austausch. Wer jetzt plant, sollte diese steigenden Kosten mitrechnen, statt nur auf den Kaufpreis zu schauen.
Was Eigentümer uns dazu am häufigsten fragen
Kann die neue Heizung schon für das gedämmte Haus bemessen werden, obwohl noch nichts gedämmt ist?
Ja, wenn die Dämmung verbindlich geplant ist und ein Termin feststeht. Der Sanierungsfahrplan liefert dafür die Grundlage. Ohne Plan wird die Heizung für das Haus bemessen, wie es heute ist – und fällt dann zu groß aus.
Wie viel weniger Heizleistung braucht ein Haus nach der Dämmung?
Das hängt vom Gebäude ab. Bei einem ungedämmten Haus aus den sechziger oder siebziger Jahren sind 30 bis 50 Prozent weniger nicht ungewöhnlich, wenn Dach, Wände und Fenster vollständig gedämmt sind. Verlässlich wird die Zahl erst mit einer Heizlastberechnung – eine Schätzung reicht nicht, um die Größe einer Wärmepumpe festzulegen.
Muss ich jetzt überhaupt noch etwas tun?
Gesetzlich verpflichtet sind Sie zum Heizungstausch nicht mehr. Wirtschaftlich sieht es anders aus: Ein ungedämmtes Haus kostet jeden Winter Geld, und die Förderung für den Heizungstausch wird ab Februar 2027 schrittweise kleiner. Nichts zu tun ist eine Entscheidung mit Preisschild.
Welche Maßnahme kommt bei Ihrem Haus zuerst?
Sie wollen es für Ihr Haus genau wissen? Wir nehmen Ihr Gebäude vor Ort auf und legen die Reihenfolge fest – mit Kosten, Ersparnis und Zuschuss je Schritt. Sieben Tage ab dem Vor-Ort-Termin.
In vier Klicks zum kostenlosen Erstgespräch
Ihr Anliegen, zwei Fragen zum Haus, dann Ihre Nummer. Danach ruft Sie innerhalb von 24 Stunden ein eingetragener Energieberater an – etwa 15 Minuten, kostenlos und unverbindlich. Oder rufen Sie direkt an, ganz wie Sie möchten.
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